Auf der folgenden Seite finden Sie Publikationen von CRESCENDO zu verschiedenen Themen. Außerdem können Sie hier einige Predigten unserer KIRCHE KREATIV in Würzburg herunterladen.

CRESCENDO WÜRZBURG

INTERNATIONALE VEREINIGUNG CHRISTLICHER
KLASSISCHER BERUFSMUSIKER & MUSIKSTUDENTEN


Ansprechpartner vor Ort:
Pfarrer Andy Tirakitti, Dipl.-Theol. Univ. & Kirchenmusiker
William Buchanan, Dipl.-Musiklehrer & MA

BEAT RINK: KUNST UND GLAUBEN


Die Frage nach Kunst und Kreativität hat nur auf den ersten Blick etwas mit intellektuellem Luxus zu tun. Man kann zwar sehr abgehoben darüber diskutieren, aber das Thema selbst legt höchsten Wirklichkeitsbezug nahe. Und es geht, weil auch für den christlichen Glauben Einiges auf dem Spiel steht, nicht nur die Schöngeister unter uns etwas an...

Der christliche Glaube ist "ästhetisch"

Ästhetik heisst sozusagen die "Grundlagen-Forschung" zur näheren Beschäftigung mit Kunst und Kreativität. Ihren Namen hat sie von "aisthesis" = griechisch für "sinnliche Wahrnehmung".

Glaube gründet auf sinnlicher Wahrnehmung

Dass wir mit unseren fünf Sinnen die Wirklichkeit um uns herum wahrnehmen können, ist eine wichtige Schöpfungsgabe, die in dynamischer Wechselbeziehung zum Denkvermögen, zum seelischen und zum geistlichen Empfinden dazu beiträgt, dass wir Wahrheit erkennen. Die philosophische Erkenntnistheorie ringt seit Jahrhunderten um die Frage, welche Rolle den Sinnen zukommt. Und an ihr werden auch theologisch wichtige Weichen gestellt! Das biblische Zeugnis lässt keinen Zweifel daran offen, dass wachsames Hören und Sehen aufs engste mit "Glauben-Können" zu tun hat. Denn Gott offenbart sich uns Menschen nicht ausschliesslich innerlich, sondern immer wieder den Sinnen vernehmbar. Die Bibel ist voll von Berichten darüber! Und das "Wort" wurde ja Fleisch und konnte, wie der 1.Johannesbrief beginnt, "gehört, mit unseren Augen gesehen, beschaut und mit unseren Händen betastet" werden.

Die Sinne für Gott öffnen

Gott teilt sich durch sein Handeln unseren Sinnen mit, wie er durch den Heiligen Geist unser inneres Sehen, Hören und Spüren weckt. Zwischen äusseren und inneren Sinnen besteht sogar eine Wechselwirkung (siehe das Interview mit Rosemary Hardy). Wir können Gott bitten, dass er unsere Sinne (sogar die Traum-Sinne!) immer wieder auf das lenkt, was er uns mitteilen möchte.
Was hat dies nun mit "Kunst" zu tun? Wir können von ihr lernen, wie wichtig "ästhetisches Wahrnehmen" und die innere Sammlung darauf hin sind - wie fast nirgends sonst.

Christen sind erfasst von Gottes Herrlichkeit

Ästhetik in engerem Sinn hat mit "Schönheit" zu tun. Das Christ-Sein ist auch deshalb "ästhetisch", weil wir einen herrlichen Gott haben. Von Gottes Herrlichkeit oder Schönheit (hebräisch "kabod", griechisch "doxa") ist in der Bibel ebenfalls viel die Rede. Mose wurde von ihr erleuchtet, der Tempel von ihr erfüllt, die Propheten von ihr zu Boden geworfen, Jesus von ihr durchdrungen und auch die Jünger von ihr erfasst und verwandelt. Und wir? Jesus betet: "Ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind..." (Joh. 17,22). "Göttliche Schönheit" ist hier Ausgangspunkt und sichtbare Frucht christlicher Gemeinschaft.
Paulus schreibt: "Wir alle, die wir mit enthülltem Antlitz die Herrlichkeit des Herrn für uns wie in einem Spiegel auffangen, werden umgestaltet in das gleiche Bild von (seiner) Herrlichkeit in (unsere) Herrlichkeit, und dies durch den Geist des Herrn" (2.Kor. 3,18).
Frage: Fangen wir Gottes "Herrlichkeit" immer wieder auf - zum Beispiel im Gotteslob, das so ein "Auffang-Spiegel" ist? Lassen wir uns immer wieder von ihr ergreifen und umgestalten?
"Wie wollte man das geringste an Paulus verstehen, wenn man ihm nicht zugestände, dass er in Damaskus die höchste Schönheit geschaut, so wie die Propheten in ihren Berufungsvisionen sie schauten, um dann für die Eine Perle alles verkaufen zu können...?" So der katholische Theologe Hans Urs von Balthasar in seinem dreibändigen Werk "Herrlichkeit". Von protestantischer, traditionellerweise ästhetisch eher karger Seite her stellt Karl Barth fest, dass Gottes "Herrlichkeit" zum "Hingerissenwerden zur Freude an ihm" führt. "Wo man es anders sieht und sagt, da wird die Verkündigung seiner Herrlichkeit beim besten Willen, bei grösstem Ernst und Eifer immer etwas leise aber vielleicht sehr gefährlich Freudloses, Glanzloses, Humorloses - um nicht zu sagen Langweiliges und letztlich nicht Überführendes, nicht Überzeugendes an sich haben."



BEAT RINK



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